Wie finde ich den perfekten Hochzeitsfotografen?

Für alle, die sich gerade in freudiger Hochzeitsvorbereitung befinden, mögen die nachfolgenden Punkte eine Hilfestellung bieten, den für sie perfekten Fotografen zu finden.

Was im Internet so teilweise geraten wird, lädt schon sehr zum Schmunzeln ein. Man möge doch darauf achten, dass der Fotograf ein Stativ mitbringt, damit die Gruppenaufnahmen nicht verwackelt werden. Außerdem müsse der Fotograf unbedingt entweder eine „Cannon“ (sic!) oder Nikon Kamera verwenden. Und wenn man schwarz/weiß Bilder mag, sollte der Fotograf eine Extra Kamera dafür haben.

Naja, ob das wirklich weiterhilft? Worauf kommt es denn wirklich an?

Bilderstil

Fotografie ist ein kreativer Beruf. Ob der Kunde zufrieden ist, liegt daher vor allem in seiner subjektiven Wahrnehmung. Der eine mag vielleicht gerade das Spiel mit engen Schärfenbereichen, der andere fragt sich warum das Ohr „verschwommen“ ist, wenn doch die Augen im Fokus sind. Das gleiche gilt bei Farb- oder Filtereffekten. Sepia mag für den einen historisch relevant wirken, der andere will einen modernen Look.

Der erste Tipp ist daher auch zugleich der wichtigste: Schaut euch die Hochzeitsbilderportfolien der Fotografen in eurem Einzugsbereich an. Der Unterschied zwischen den Fotografen ist zum Teil riesig. Einige Fotografen legen eine Kreativität an den Tag, die sich doch sehr deutlich von den Standardbildern unterscheidet und man merkt, wie sie die wichtigen Bilder künstlerisch komponieren. Ihr werdet ziemlich schnell feststellen, welche Art von Fotografie und damit welchen Fotograf euch eher zusagt.

Dabei ist es zunächst irrelevant, wie lange jemand schon Hochzeiten fotografiert. Die Bezeichnung „Berufsfotograf“ ist eben kein Kriterium, da Fotograf ein zulassungsfreies Handwerk ist und sich jeder so nennen darf. Selbst eine Ausbildung zum Fotografen garantiert kein Qualitätsniveau, da es sich nunmal um einen kreativen Beruf handelt.

Schaut euch an, mit welcher Leidenschaft und mit welchem künstlerischen Können ein Fotograf an Hochzeiten herangeht. Auf Fotografen365.com könnt ihr euren Bilderstil suchen und meist auf den Webseiten der Fotografen noch vertiefen. Und es ist zwar nett, sich andere Bildkategorien des Fotografen anzuschauen, aber für euch ist nur seine Hochzeitserfahrung entscheidend. Ob jemand schöne Häuser aufnehmen kann, zählt für eure Hochzeit nicht.

Location

Ist der Fotograf ortskundig? Hat er in eurer Feierlokation schon gearbeitet und kann euch davon eventuell Bilder zeigen? Oder nutzt er immer wieder den gleichen Baum im Park neben der Kirche?

Die Ortskundigkeit ist vor allem auch bei schlechtem Wetter wichtig, damit euer Fotograf dann nicht ins Schwitzen gerät, wenn dunkle Wolken aufziehen, und er trotzdem tolle Brautpaarbilder aufnehmen kann.

Verfügbarkeit und Ersatz

Wenn euer Fotograf für euren Termin schon eine Hochzeit eingebucht hat, dann helfen natürlich alle anderen Punkte ohnehin nicht weiter. Wobei ich auch schon von einem Paar gehört haben, dass ihren Hochzeitstermin nach der Verfügbarkeit des Wunschfotografen gelegt hat!

Aber was ist eigentlich, wenn der Fotograf krank wird? Gibt es einen eingespielten Ersatzmann, der die gleiche Qualität liefert? Auch wenn Fotografen als selbständige Unternehmer sicherlich seltener krank sind als der Durchschnitt der Angestellten, ist keiner dagegen gefeit. Danach solltet ihr im Gespräch fragen.

Bei großen Hochzeiten mag es Sinn machen, den Fotografen zu bitten, einen „Second Shooter“ einzusetzen. Der muss natürlich zusätzlich budgetiert werden, aber gerade bei sehr großen Hochzeiten hilft das bei der Abdeckung aller Gäste.

Kameratechnik, Video, Drohnen und Photobooth

Die eingesetzten Kameras und Objektive braucht euch (außer ihr seid selbst ambitionierte Fotografen) eigentlich nicht interessieren. Wichtig ist, dass der Fotograf sein Equipment richtig bedienen kann.

Früher war natürlich eine große Spiegelreflexkamera ein Muss, aber heute arbeiten auch sehr renommierte Fotografen mit kleineren, spiegellosen Kameras. Nicht die Größe ist entscheidend!

Das Bridal Magazin in Amerika schrieb kürzlich, ein Fotograf müsse eine große Canon oder Nikon Kamera haben. Aber der Text zeugte eher von der Inkompetenz der Zeitschrift und wurde auch nach einem Sturm der Entrüstung der Hochzeitsfotografen abgeändert.

Schaut euch das Hochzeitsportfolio des Fotografen an und vergesst die Technik dahinter, wenn euch die Bilder gefallen.

Das gilt auch für die Belichtungstechnik. Manche Fotografen setzen Studioblitze ein und andere arbeiten nur mit vorhandenem Licht. Ich habe eine Hochzeit erlebt, die in einer eher dunklen Scheune gefeiert wurde, wo die Fotografin kein einziges Mal den Blitz benutzt hat und die Bilder waren wunderschön authentisch.

Recht kreativ können Drohnenaufnahmen sein, wenn also die gesamte Hochzeitsgesellschaft von oben fotografiert wird. Wenn euch das gefällt, müsst ihr das konkret ansprechen, da erst die wenigsten es heute anbieten.

Auch wenn ihr ein gut gemachtes Hochzeitsvideo möchtet, solltet ihr die Referenzen der Fotografen in dieser Hinsicht anschauen. Das ist nicht allerdings ganz billig, weil der Fotograf durch einen Videografen ergänzt werden muss, der oft auch noch meistens einen Assistenten mitbringt.

Daneben könnt ihr manchmal noch eine Photobooth buchen. Das ist eine Art besserer „Selfie-Automat“ vor dem sich Paare und kleine Gruppen platzieren können und (meistens) Blödsinn treiben. Im Stile von angeklebten Bärten und aufgesetzten Brillen.

Ich habe allerdings die Erfahrung gemacht, dass es sich gerade für Hochzeiten eher anbietet, einen separaten Nebenraum zu haben, in dem ein kleines Fotostudio aufgebaut wird mit vernünftiger Beleuchtungstechnik und Hintergrund und Platz für Brautpaar und 4-6 Gäste. Somit kann man nämlich recht schnell einen Durchlauf mit allen Gästen machen und hat von jedem Gast ein vernünftiges Bild mit Brautpaar. Ohne aufgesetzte Plastikhüte und Brillen sondern „nur“ so wie sich jeder Gast in Schale geworfen hat. Und im Laufe des Abends werden die Gäste garantiert immer wieder mal dieses „Hochzeitsfotostudio“ aufsuchen und sich bereitwillig fotografieren lassen.

Preis

Wieviel kostet eure Hochzeit? Und wie wichtig sind euch lebenslange Erinnerungen? Spart nicht am Fotografen, wenn euch sein Bilderstil gefällt. Neben dem Ring (und dem Kleid) ist es die einzige Erinnerung an euern großen Tag. Also setzt eure Prioritäten richtig.

Das heißt allerdings nicht, dass der teuerste Fotograf die besten Aufnahmen macht. Auch hier gilt: Schaut euch die Portfolio-Bilder an.

Ein junges Nachwuchstalent mag kreativere Aufnahmen machen, als jemand, der schon 500 Hochzeiten fotografiert hat. Und oft sind die jüngeren Kollegen besser vertraut mit nachträglicher Bildbearbeitung, wenn z.B. mal auf einem wichtigen Gruppenbild ein „Kopf ausgetauscht“ werden muss, weil der Onkel auf zwei von drei Bildern die Augen geschlossen hat. Der „alte Hase“ mag hingegen die größere Routine haben, wie man alle Gäste glücklich dreinschauend zusammenstellt.

Aber wenn euch ein Bilderstil richtig gut gefällt, dann spart nicht am Fotografen (sofern es das Budget irgendwie zulässt). Ihr werdet es nicht bereuen.

(Zur Preisgestaltung bei Hochzeitsfotografie gibt es in Zukunft noch einen separaten Blogpost).

Sympathie, Persönlichkeit und Fremdsprachen

Ihr solltet auf jeden Fall ein Vorgespräch mit dem Fotografen führen. Wenn er zu weit weg ist, macht ihr das einfach über Skype.

Manche Fotografen bieten auch ein Pre-Shooting an, um den Brautpaaren ein paar Posingtipps zu geben und um selbst ein Gespür dafür zu bekommen, wie man euch am besten aufnehmen kann. Wir haben ja schließlich nicht alle eine Model-Ausbildung!

Ein wichtiger Punkt für die große Anzahl von sprachlich gemischten Ehen (und ich meine jetzt nicht die Friesen, Bayern, Berner oder Wiener): Solltet ihr z.B. eine deutsch-französisch oder türkische Hochzeit planen, dann wird es sehr hilfreich sein, wenn der Fotograf nicht nur die Sprache spricht sondern auch weiß, wie man in der jeweiligen Kultur auftritt, um Vertrauen zu gewinnen.

Letztendlich müsst ihr nämlich in der Lage sein, eurem Fotografen viel Vertrauen entgegen zu bringen. Er macht die Bilder, die ihr (hoffentlich) Zeit eures Lebens gerne wieder anschaut, und ihr wollt euch in guten Händen fühlen und euch auf den Tag und eure Gäste konzentrieren können.

Solltet ihr Zweifel an seiner Kompetenz oder Zuverlässigkeit haben, dann schaut weiter. Es gibt allein in Deutschland über zehntausend Fotografen, da wird immer der richtige für euch dabei sein. Drum prüfe, wer sich ewig bindet..